TANZ AUS NRW IN NRW UND DARÜBER HINAUS SICHTBAR MACHEN





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TANZweb.org





Recherche, Arbeitsprozesse und Auseinandersetzungen im und mit dem TANZ und vor Allem die daraus entstehenden Werke und die damit verbundenen Künstlerpersönlichkeiten sichtbar und erlebbar zu machen, ist eines der zentralen Themen von SEEDance, der Trägergesellschaft von TANZweb.org.


Das Schreiben von TANZ und die Interpretation dieser "Texte" und deren Autoren durch die Tanzkünstler (aber auch die Rezeption dessen in Wort und Bild) liefern Gesellschaften und Individuen gleichermaßen authentische Ansätze für Gestaltungs- und Überlebensstrategien des Einzelnen in einer zeitgenössischen Wirklichkeit und der Fiktion und Vorbereitung einer nahen Zukunft.


Die Kunstform TANZ konzentriert sich weitgehend auf die letzte Bastion des Individuums zur Bestimmung seiner Identität in einer globalen und weitgehend virtuellen Welt: den eigenen Körper und dessen unverwechselbare Abgrenzung, Dynamik und Bewegung in Raum und Zeit.


Aufbauend auf die Erfahrungen und Erfolge von tanZwebkoeln.de soll beginnend in 2014 mit der konsequenten Ausweitung zunächst auf die südliche Rheinschiene, sukzessive das proklamierte Tanzland NRW in seinen einzelnen Hochburgen, Zentren und Ballungsgebieten erfasst und begleitet werden.


Das NRW KULTURsekretariat (Wuppertal) | Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen fördert die Sichtbarmachung von Tanzstädten und -regionen in NRW in Kooperation mit TANZweb.org


Als Ziel haben wir uns als Unternehmen TANZweb.org, gemeinsam mit privaten Mäzenen und Förderern, vorgenommen, das "TANZwebNRW.de" (und darüber hinaus) in naher Zukunft in ein europäisches Netzwerk einzubinden.

 

NRW

„BREMER PLATZ“ von bodytalk in Münster


Politisches Tanztheater der leider eher seltenen Art: "BREMER PLATZ" von bodytalk in Münster, mit Betroffenen, für die dieser Platz "Heimat" ist und mit professionellen Tänzern und Musiker:


Während Münster seine „Skulpturen-Projekte 2017“ zelebriert, soll eine Skulptur im Zentrum der Stadt verschwinden. Weshalb? -  bodytalk fragt nach:

„...Diese urbane Skulptur verschwindet nun auch, nach nicht einmal 30 Jahren. Und die, die den Brunnen täglich besessen haben, müssen künftig anderswo die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Aber was sind das eigentlich für Verhältnisse? bodytalk, die Compagnie Yoshiko Waki und Rolf Baumgart, schaut genauer hin. Ihr Tanztheater mit Livemusik spürt den Wind of Change am Ort des Geschehens.

Randgruppen im Zentrum der Stadt: Bringen sie die Verhältnisse zum Tanzen?...“


Von und mit Charlotte Goesaert, Christiane Weiß, Damian Kai Norman, David Tesfamariam, Detlef Antemann, Elina Pohjonen, Gabriele Töller, Hanne, Lennart, Lioba Schmidt, Marc Blum, Mareike Fiege, Melanie, Nina Karimy, Petra Heyden, Rolf Baumgart, Till Bleckwedel, Xenia Prüßner, Yoshiko Waki, Zazou


Produktion bodytalk Koproduktion Theater im Pumpenhaus Kooperation Indro e.V.

Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und vom Kulturamt der Stadt Münster


EL DORADO

Choreography by RICHARD SIEGAL


HIER GEHT ES ZUR NACHTKRITIK VON NICOLE STRECKER


Eine Veranstaltung der Ruhrtriennale

gefilmt in PACT Zollverein: 24.08. während der Generalprobe


In Siegals Vision des Paradiso bleiben lediglich zwei Tänzer übrig: Corey Scott-Gilbert (34), der bereits eine zentrale Rolle in den beiden Arbeiten der vergangenen Jahre spielte, trifft auf den 77-jährigen Gus Solomons Jr., der als Tänzer und Choreograf vor allem den Stil des Postmodern Dance mit geprägt hat. Zwischen ihnen schwebt die Inkarnation der tugendhaften Beatrice durch ein Vexierspiel zwischen Alter und Jugend, zwischen Liebe und narzisstischem Begehren, zwischen Ich und dem Anderen.



Tänzer El Dorado - Corey Scott-Gilbert, Gus Solomons jr.

Golden Girl - Sandra Balkmann


Choreografie, Bühne, Video Richard Siegal

Musik und Live-Electronic Lorenzo Bianchi Hoesch


Bühne El Dorado Stefan Mayer, Richard Siegal

Kostüm  El Dorado Edda Gudmundsdottir, Richard Siegal

Licht Gilles Gentner

Programmierung LEDs Model Jean-Philippe Lambert

Dramaturgie Tobias Staab


Gefördert durch die Kunststiftung NRW.

Eine Produktion der Ruhrtriennale in Koproduktion mit dem Muffatwerk München.


RICHARD SIEGAL

THREE STAGES:

MODEL - IN MEDIAS RES - EL DORADO



2015: Inferno. 2016: Fegefeuer. In der Logik von Dantes ›Göttlicher Komödie‹, die Ausgangspunkt von Siegals Ruhrtriennale-Trilogie ist, steht am Ende der Jenseitsreise –  in ›El Dorado‹, Siegals neuem Stück 2017 –  die Erlösung in himmlischen Sphären. Bei der Ruhrtriennale 2017 präsentiert der amerikanische Choreoraph die gesamte Trilogie als abendfüllendes Opus Magnum, das religiöse und politische Diskurse der Gegenwart genauso berührt wie Fragestellungen von Identität. Die Inszenierungen der vergangenen beiden Spielzeiten – ›Model‹ von 2015 und ›In Medias Res‹ von 2016 – werden für diesen großen Rahmen noch einmal überarbeitet und münden direkt in die neue Produktion ›El Dorado‹. Zwischen klassischem Ballett und zeitgenössischem Tanz arbeitet Siegal bei der Zusammenführung der einzelnen Teile der Jenseitstrilogie vor allem mit Tänzer*innen seiner neu gegründeten Kompanie Ballet of Difference. Sie nehmen das Publikum mit auf eine Tour de Force durch das Inferno über den Läuterungsberg bis ins Paradies, das bei Siegal als utopisches ›El Dorado‹ erscheint, in dem sich Projektionen des Göttlichen mit der menschlichen Identitätskrisen mischen.



 

IMPRESSIONEN VON DER WUPPERTALER

KULTURTRASSE 2017


Lange sah es so aus, als werde die erste öffentliche Probe des „Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch“ im Rahmen der Wuppertaler „Kulturtrasse 2017“ nicht stattfinden können, doch pünktlich um 17 Uhr, als Pina Bausch Tänzer Paul White mit einem ausdrucksstarken Tanzsolo in den Skaterhallen von Wicked Woods, den Reigen der Tanzbeiträge beim Wuppertaler Trassenfest eröffnete, riss die Regen verheissende Wolkendecke auf und strahlender Sonnenschein belohnte die gut fünfhundert Zuschauer, die sich trotz zweifelhafter Wetterlage aufgemacht hatten, um am alten Wichlinghauser Rangierbahnhof die Tänzer des Wuppertaler Tanztheaters hautnah erleben zu können.


Paul White mit einem ausdrucksstarken Solo in den Hallen von Wicked Woods



Kulturdezernent Matthias Nocke und die neue Intendantin und künstlerische Leiterin des Tanztheaters, Adolphe Binder, begrüssten gemeinsam die Anhänger der Tanzkunst und es wurde deutlich: die Chemie stimmt.


Nach einem kurzen und sehr einfachen „warm up“, zu dem Adolphe Binder auch alle Umstehenden, einschliesslichlich dem Kulturdezernenten, ohne Erfolg eingeladen hatte, „studierte“ Daphnis Kokkinos eine kurze Sequenz aus Pina Bausch‘s „Der Fensterputzer“ mit dem (stark verjüngten) Ensemble „ein“. Dieses hatte hieran sichtlich ebenso viel Spass, wie die umstehenden Zuschauer, die dem Spektakel auf grüner Wiese begeistert folgten.


Daphnis Kokkinos (ganz rechts) mit Ensemble (Rainer Behr, Nayoung Kim, Michael Carter,  Ditta Miranda Jasjfi, Jonathan Fredrickson - von rechts)






















Weiter ging es ins legendäre „Cafè Ada“, auf Höhe der „Utopiastadt“ und Mirker Bahnhof ebenfalls an der Nordbahntrasse gelegen, wo Jan Möllmer zwei seiner Arbeiten zeigte: Das Solo „When you are smiling“ mit Uwe Brauns, ebenfalls vom Folkwang Tanz Studio (FTS) und  einen Ausschnitt aus „The Man“, ein ebenso zartes wie humorvolles Duett, das er selbst zusammen mit Tsai-Wei Tien (Tanztheater Wuppertal Pina Bausch) tanzte.



Damiano Ottavio Bigi (ebenfalls Tanztheater Wuppertal Pina Bausch) zeigte im Anschluss sein Solo „Zitadelle“.


Dieser Abend erfährt noch eine gesonderte Besprechung.


Uwe Brauns in „When you are smiling“ - Ch.: Jan Möllmer


Tsai-Wei Tien und Jan Möllmer in „The Man“ - Ch.: Jan Möllmer



Damiano Ottavio Bigi in seinem Solo „Zitadelle“



Noch mehr Tanz gab es in der „Färberei“, etwas Abseits der Nordbahntrasse in Oberbarmen gelegen, dort zeigte der Choreograf und Tänzer MARK SIECZKAREK mit MOVING STORIES - TanzTheater – Ein Nachbarschafts- und Integrationsprojekt mit WIGABRIEL SOTO ESCHEBACH als Tänzer


In MOVING STORIES begegnen sich junge und alte Menschen vieler Nationalitäten mit und ohne Beeinträchtigungen, mit oder ohne Arbeit. Die Tänzerinnen von Moving Stories spiegeln die Bandbreite der Quartiersbewohner.

Menschen, die im Alltag aneinander vorbeigehen, treffen hier aufeinander.

Sie koordinieren in Soli, Duos oder als Gruppe Bewegungsabläufe und lassen persönliche Geschichten aus ihrer Biographie und ihrem Alltag in Improvisationen einfließen. Aus Emotionen und Wortfetzen wird ein Netz aus Tanzszenen gewebt, das durchlässig ist für Trennendes und Offenheit und das die Lebensfreude auffängt. (so das Programmheft)

 

Die Chemie stimmt: Kulturdezernent Matthias Nocke und Intendantin Adolphe Binder

Die Zukunft von früher

- Flat things, reproduced -

„ RELICS “- Premiere von Emanuele Soavi   Theater und Philharmonie Duisburg



Nachtkritik von Melanie Suchy


HIER GEHT ES ZU DEN VIDEOIMPRESSIONEN


Der Kölner Choreograph Emanuele Soavi hat in den letzten Jahren alte Mythenstoffe mit Zeitgenössischem Tanz aufgefrischt. Sein neues Stück „RELICS“ scheint ein fesches Resümee zu sein. Allerdings sind die guten alten Geschichten  ja nie auserzählt; jede Generation findet ihre eigenen Spiegelbilder darin. Dass sie es wert sind, genauso wie der Tanz als Körperkunst, aufgehoben und immer wieder neubelebt zu werden, dafür sprechen Soavis Werke, auch diese „Überbleibsel“.


Nichts bleibt. Oder: Nichts bleibt, wie es ist. Aber: Etwas bleibt. Denkt man, recht erschöpft nach der irgendwie übervollen Vorstellung. Vor lauter Bewegtheit, dem etwas Flüssiges zugrunde liegt, merkt man ja, wie sich Augen und Gedanken an etwas festzuhalten suchen. Gegen Ende waren es die Strahlen, das helle Licht, das von der Seite durch die Lücken zwischen vier aufrecht gestellten Tischen hindurchschien, so dass es sich auffächerte auf dem Bühnenboden. Den Tänzern tat das nichts, einige von ihnen eroberten sich den nach hinten geöffneten Raum, stromerten durch die leeren roten Sitzreihen des Theaters Duisburg – denn wir Zuschauer saßen auf Podesten auf der Bühne selber. Die restlichen vier Tänzer begannen lockere Duette, als ob gerade etwas von vorn begänne. Und oben drüber verkündete eine Art Schild, projiziert, Endlosigkeit und dann „them & us, them like us, a new ‚We‘“, was immer das ironisch oder pathetisch-prophetisch wem verheißen wollte; und in der elektronisch hallenden Musik aus Gluckern, Reiben, Sirren, Pauken, kristallisierten sich ein paar bekannte Töne: Bach. Fernes Echo in Splittern, wie Ahnungen, versunken unter Eis, eigentlich Hoffnungen. Auf was? Auf Schönheit. Und vielleicht auf etwas Göttliches, Ewiges, das strahlen, erleuchten, erlösen  könnte....


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ZWISCHEN REALITÄT UND FIKTION


Uraufführung des Tanzstückes „GHOST TRIO A – corps furtifs“ von CocoonDance Bonn im Rahmen des Beethovenfestes im World Conference Center Bonn

 

Nachtkritik von KLAUS KEIL

 

Es lag wohl an der Einbettung dieser Tanzproduktion in das Bonner Beethovenfest, dass das Publikum sichtbar anders und auch sichtbar älter war, als es der zeitgenössische Tanz sonst zu verzeichnen hat. Beethovens Klaviertrio D-Dur op. 70 Nr. 1, besser bekannt als das „Geistertrio“, als Grundlage für ein Tanzstück, das weckte offensichtlich hohe Erwartungen. Dass Beethoven letztlich nur die Matrix für die musikalische Ausgestaltung des Abends durch den Hauskomponisten des Ensembles, Jörg Ritzenhoff lieferte, wurde dem Zuschauer erst bewusst, als er immer wieder, mit sehnsüchtigem Blick auf die großartige Pianistin Beatrice Berrut am Flügel, vergeblich auf Beethovens bekannte Klavier- (und Streicher)klänge wartete. Stattdessen überraschte Ritzenhoff, der bereits seit zwölf Jahren mit CocoonDance zusammen arbeitet, das Publikum mit zeitgenössischen musikalischen Elementen, die möglicherweise die eine oder andere Note mit Beethovens Klaviertrio gleich hatten, aber letztlich eigenständig und sogar choreografiebestimmend waren. Ein derartig radikaler kompositorischer Umbruch von Beethovens Geistertrio war für das Publikum eigentlich nicht zu erwarten gewesen, doch das Erstaunliche trat ein: Ritzenhoffs Musik ließ eine geisterhaft gespenstische Atmosphäre entstehen, die das thematische Anliegen der Inszenierung stärkt und in Teilen auch vollständig trägt. ...


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