TANZ AUS NRW IN NRW UND DARÜBER HINAUS SICHTBAR MACHEN





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TANZweb.org


Recherche, Arbeitsprozesse und Auseinandersetzungen im und mit dem TANZ und vor Allem die daraus entstehenden Werke und die damit verbundenen Künstlerpersönlichkeiten sichtbar und erlebbar zu machen, ist eines der zentralen Themen von SEEDance, der Trägergesellschaft von TANZweb.org.


Das Schreiben von TANZ und die Interpretation dieser "Texte" und deren Autoren durch die Tanzkünstler (aber auch die Rezeption dessen in Wort und Bild) liefern Gesellschaften und Individuen gleichermaßen authentische Ansätze für Gestaltungs- und Überlebensstrategien des Einzelnen in einer zeitgenössischen Wirklichkeit und der Fiktion und Vorbereitung einer nahen Zukunft.


Die Kunstform TANZ konzentriert sich weitgehend auf die letzte Bastion des Individuums zur Bestimmung seiner Identität in einer globalen und weitgehend virtuellen Welt: den eigenen Körper und dessen unverwechselbare Abgrenzung, Dynamik und Bewegung in Raum und Zeit.


Aufbauend auf die Erfahrungen und Erfolge von tanZwebkoeln.de soll beginnend in 2014 mit der konsequenten Ausweitung zunächst auf die südliche Rheinschiene, sukzessive das proklamierte Tanzland NRW in seinen einzelnen Hochburgen, Zentren und Ballungsgebieten erfasst und begleitet werden.


Das NRW KULTURsekretariat (Wuppertal) | Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen fördert die Sichtbarmachung von Tanzstädten und -regionen in NRW in Kooperation mit TANZweb.org


Als Ziel haben wir uns als Unternehmen TANZweb.org, gemeinsam mit privaten Mäzenen und Förderern, vorgenommen, das "TANZwebNRW.de" (und darüber hinaus) in naher Zukunft in ein europäisches Netzwerk einzubinden.

 

NRW

EUREGIO

DAS TANZPROGRAMM BEI

TANZ NRW 2017 WURDE VORGESTELLT


PRESSEMITTEILUNG

 

Die Veranstaltergemeinschaft von tanz nrw 17 stellt das Festivalprogramm vor

 

Das landesweite biennale Festival tanz nrw zeigt vom 3. bis 14. Mai in acht Städten eine Auswahl aktueller Tanzproduktionen von 22 Kompanien aus Nordrhein-Westfalen. Als Satellitenprogramm integriert tanz nrw 17 erstmals das Programm der städtischen Tanzensembles und zeigt so die gesamte Bandbreite im Tanzland NRW.

 

Im Rahmen eines Pressegesprächs im tanzhaus nrw in Düsseldorf gaben Vertreter*innen der veranstaltenden Tanzproduzenten-Konferenz am 15. März das Programm des landesweiten Festivals bekannt. Staatssekretär Bernd Neuendorf vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner, Fachbereichsleiter Musik/Tanz/Theater der Kunststiftung NRW, und Dr. Christian Esch, Direktor des NRW KULTURsekretariats, stellten zudem die Besonderheit des Festivals heraus. „Das Festival tanz nrw gibt zwölf Tage lang in acht Städten einen intensiven Einblick in aktuelle Tanzproduktionen. Dabei wird insbesondere die Arbeit von Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern in den Fokus gerückt. Diese individuelle Künstlerförderung ist der Landesregierung ein zentrales kulturpolitisches Anliegen", sagte Kulturstaatssekretär Bernd Neuendorf. 


©TANZweb.org_“would you like an invitation...“_Rodolpho Leoni

 

Zwölf Tage lang gewähren in Nordrhein-Westfalen arbeitende Choreograf*innen und Kompanien zwischen Münster und Bonn einen Einblick in ihre Arbeiten – und machen so die Vielfalt der hiesigen zeitgenössischen Tanzszene sichtbar. Zum ersten Mal wurden die Produktionen für tanz nrw über einen Open Call kuratiert, für den sich 92 Tanzschaffende aus Nordrhein-Westfalen beworben haben. Ausgewählt wurden 24 Produktionen, darunter von renommierten Choreograf*innen wie Raimund Hoghe, Alexandra Waierstall und Angie Hiesl + Roland Kaiser, aber auch von Nachwuchstalenten wie nutrospektif, Josefine Patzelt und Lenah Flaig. Begleitet wird das künstlerische Programm auf den Bühne abermals von überwiegend kostenlosen Workshops, Gesprächsreihen, Ausstellungen und Videoinstallationen. 

 

Neues Format: Kooperation mit Tanzensembles der Stadttheater

In einer ersten Kooperation schlägt tanz nrw 17 in diesem Jahr den Bogen zu den städtischen Bühnen NRWs. Das Satellitenprogramm ermöglicht so einen Dialog zwischen freier Szene und städtische Ensembles und lässt das Publikum durch Probenbesuche, Hausführungen und Gesprächsrunden einen Blick hinter die Kulissen der großen Häuser werfen. 

 

In Kooperation mit dem NRW KULTURsekreatariat rückt tanz nrw abermals die Recherchearbeit mit Nachwuchskünstler*innen in den Fokus. In der diesjährigen Edition erhalten Absolvent*innen und junge Künstler*innen aus NRW mit SPRUNGBRETT < > TANZRECHERCHE NRW die Möglichkeit, ihre Ideenfindung und Recherche in einer dreiwöchigen produktionsunabhängigen Rechercheresidenz von Mentor*innen begleiten zu lassen. Der Erfolg des Pilotprojekts der vorherigen Festivalausgabe zeigt sich auch in diesem Jahr: Özlem Alkis, Sprungbrett-Teilnehmerin aus dem Jahr 2015, ist bei mit gleich zwei Bühnenarbeiten in Düsseldorf und Köln zu sehen und Lili M. Rampre, ebenfalls Sprungbrettlerin, zeigt eine eigene Installation in Essen.


©TANZweb.org_“BASMALA-Freund oder Feind“_RENEGADE


 Über tanz nrw 17 

Die überregionale Präsenz des Festivals wird erst möglich durch die Kooperation der Veranstaltergemeinschaft von acht NRW-Tanzproduzenten und kommunalen Partnern aus acht Städten Nordrhein-Westfalens, die bereits zum sechsten Mal erfolgreich zusammenarbeiten. Seit 2007 ist tanz nrw ein erfolgreiches Modell, das durch dieses nachhaltige Engagement das Interesse für den Tanz in NRW stärkt und vernetzte Strukturen aufbaut. 

 

tanz nrw 17 IN ZAHLEN

8 Veranstalter aus 8 Städten

12 Tage

16 Veranstaltungsorte

22 Ensembles und 2 Sprungbrett-Künstlerinnen

24 Produktionen und 19 Extras

54 Vorstellungen

8 Satelliten/Städtische Tanzensembles in 10 Städten mit 13 Produktionen und 3 Extras

 

tanz nrw 17 ‒ Biennales Tanzfestival in acht NRW-Städten

3. bis 14. Mai 2017, Eröffnung am 3. Mai bei PACT Zollverein in Essen

 

Headspin im Turnanzug


Nachtkritik von Lisa Reinheimer


Die Französische Compagnie Käfig wurde begeistert in Heerlen gefeiert. Im Jubel der Zuschauer geben die Tänzern eine Freestyle-Zugabe. Gemeinhin wird das durchschnittliche Theaterpublikum In den Niederlanden als leicht angegraut beschrieben,  will heissen: durchschnittlich über fünfzig und eher zurückhaltend, abgesehen von seltenen Buhrufen zwischen dem Applaus. Ganz anders das Publikum abseits der vier grossen Städte: in Heerlen scheint der Beifall noch immer direkt aus dem Herzen heraus zu  kommen.

„Yo Gee Ti“ ist eine Metapher für organisch fliessende Körper und die Produktion trägt hier den Titel zu Recht. Choreograph Mourad Merzouki suchte neue Inspiration und fand diese in der Zusammenarbeit mit dem Taiwanesischen „National Cultural Center Chiang Kai-Shek". Auf der Bühne treffen die taiwanesischen und französischen Tänzer aufeinander.

In „Yo Gee Ti“ gelingen Merzouki gelegentlich faszinierende Bilder, in denen Inszenierung, Bild  und Tanzsprache Eins werden, Bilder in denen Hip-Hop und Breakdance auf traditionellen Tanz treffen und eine wunderbare Begegnung in den verdoppelten Duetten eingehen, wie in der Szene, als die taiwanesischen Tänzer hinter einem Vorhang wie aus Seidenfäden in einer Art überdimensionalem Rollkragen mit Fransen stecken, die bis zum Boden reichen, die sie fast unbeweglich wir graue Hügel erscheinen lässt und sie nur noch die Arme mit den Fransen wie in einem traditionellen taiwanesischen Tanz wiegen lassen, während die Breakdancer tief am Boden um sie herum kreisen. Solche Momente erzeugen nicht nur schöne Linien in einem ausgeklügelten Lichtdesign, sondern bringen die unterschiedlichen Bildsprachen ohne Konflikt miteinander in Beziehung.
Der Grundgedanke ist jedoch nicht das harmonische Nebeneinander, sondern die Verflechtung. Dies lässt sich nicht nur in der Tanzsprache erkennen, sondern auch im Bühnenbild: An den Theaterzügen sind Fadenvorhänge abgehängt, die zu riesigen Zöpfen  zusammengefasst sind und nach und nach entfaltet werden. Diese Fäden bilden dann die Takelage eines Webstuhls an dessen Webstück die Tänzer im Schlussbild letzte Hand anlegen.

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IMPRESSIONEN DER VORSTELLUNG DER CIE. KÄFIG MIT „YO GEE TI“ PARKSTAD THEATERS HEERLEN


Die taiwanesisch-französische Koproduktion „Yo Gee Ti“, die in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Kulturzentrum Chiang Kai-Shek entstand, fällt durch ihre energische, interdisziplinäre Tanzsprache auf. Der Choreograf Mourad Merzouki sucht den Dialog zwischen Ost und West, zwischen Streetdance und modernem Tanz sowie zwischen Tänzer und Kulisse. Nach einer beeindruckenden Premiere beim Taiwan International Festival of Arts (TIFA) und einer Tour durch Frankreich ist die Compagnie Käfig mit „Yo Gee Ti“ zum ersten – und auch einzigen – Mal in den Niederlanden zu sehen!

 

Festivaleröffnung Aachen / festivalopening Aken

Kibbutz Contemporary Dance Company (IL) „If At All”

FR. | VR.  10.03. – MO. | MA. 13.03.2017 jew. / telkens 20.30 Uhr / uur,

VIDEOIMPRESSIONEN DER PREMIEREAUFFÜHRUNG GESTERN

Expressive Meditation


Mit „Hui“ hat das schrit_tmacher-Festival ein so vielschichtiges wie vielstimmiges Stück aus Taiwan eingeladen.


Von Astrid Kaminski


HIER GEHT ES ZU DEN VIDEOIMPRESSIONEN DER AUFFÜHRUNG


Ein west-fernöstlicher Divan im Quadrat ist „Hui“ aber auch ein Stück über Emanzipation und Integration und außerdem auch noch eine Hommage an John Cage. Klingt nach viel auf einmal. Aber die verschiedenen Lagen schieben sich bei der zweiten europäischen Aufführung im Theater Heerlen mit so viel Raum und Luft voreinander wie die elf Tänzer*innen vor die Birkenstämme, die vereinzelt über die Tiefe der Bühne verteilt stehen. Immer wieder taucht die Frau auf, die am Anfang wie ein ausgestopftes Tier in einem Vitrinenwagen hereingefahren wurde. Sie ist eine Außenseiterin, will oder kann nicht zur Gemeinschaft passen, kleidet sich im Stil der anderen an und wieder aus, an und aus, versucht es, aber kann ihren Impulsen nicht folgen, versteht die Normen der Gruppe nicht. Nur wenn sie fallen, fällt auch sie. Misstrauen auf beiden Seiten. Als sie um die Schultern eines Mannes kreist, den Horizont berührt, schüttet ihr eine andere Frau Wasser ins Gesicht.


©TANZwebAachenHeerlen.eu


Die Musik, die dem Tanz zwar nahe kommt, aber nie mit ihm identisch wird, stammt vom chinesisch-amerikanische Komponist Tan Dun, unter anderem Oscargewinner für „Crouching Tiger, Hidden Dragon“, der während der chinesischen Kulturrevolution seine Heimat verlassen musste. In der Musik erinnert er sich daran. Dass er mit John Cage, der das I Ging als Kompositionshandbuch in die westliche Musik eingeführt hat, befreundet war, lässt sich gut vorstellen. Die Klänge für zwei Klaviere lassen Raum, die Stille klingt mit. Das dritte Stück von insgesamt vier ist dem Freund gewidmet. Es geht von dem in der Musik beliebten Verfahren aus, Buchstaben in Töne zu verwandeln. Bei CAGE geht das besonders gut. Jeder Buchstabe ist gleichzeitig ein Ton in der Tonleiter. Da kann Mozart nur neidisch werden. Hauptsächlich mit den inneliegenden Saiten des Klaviers arbeitet Tan Dun und verwendet dafür, so heißt es im Programm der Uraufführung in Taipeh (mit Programminfos wird in Heerlen sehr gespart), Techniken der chinesischen Pipa, einer Schalenhalslaute... WEITERLESEN

 

©Photo Rahi Rezvani

TANZweb GOES INTERNATIONAL


Ab nächste Woche, genauer ab dem 8.März, ist es endlich soweit und es heisst: „TANZweb.org GOES INTERNATIONAL“! Dann nämlich werden wir fast täglich aus dem deutsch, belgisch, holländischen Dreiländereck über das phantastische Programm des diesjährigen SCHRIT_TMACHER-FESTIVALS zweisprachig berichten und damit gleichzeitig den Grundstein legen für das TANZwebAachenHeerlen.eu und seinen Ausbau in die Euroregion hinein, mit den Städten Heerlen, Maastricht, Eupen, Liège und Aachen.

Hierüber freuen wir uns ganz herzlich und haben mit den renommierten Tanz-Journalistinnen Astrid Kaminski, Bettina Trouwborst, Lisa Reinheimer und Nicole Strecker auch ein tolles, grenzüberschreitendes Expertenteam vor Ort, auf deren spannende Rezensionen wir uns ebenfalls freuen, wie auch über die hoffentlich packenden Tanzvideos und -photographien, die in den kommenden vier Wochen entstehen werden.


Möglich wurde dieser Schritt durch die Förderung durch die Stadt Aachen, den Parkstadtheaters Limburg, der „Stichting StEP by StEP“ und TRANSFER INTERNATIONAL, dem grenzüberschreitenden, innovativen Fördermodell des KULTURsekretariats NRW,

©Bettina Stöß


ERNEUT AM 21.3. „3 BY EKMAN“!

Ab 4. März zeigt das Aalto Ballett Essen drei Kreationen des gefragten Choreografen Alexander Ekman

 

Alexander Ekman, im Herbst letzten Jahres mit dem renommierten Theaterpreis FAUST ausgezeichnet, zählt zu den ideenreichsten und aufregendsten Choreografen unserer Zeit. Die unverwechselbare Tanzsprache seiner Werke, für die er mitunter selbst Bühnenbilder entwirft und Musik komponiert, zeichnet sich durch schnelles, schnittiges Timing, geistreichen Witz, Ironie sowie kluge und vor allem überraschende Übergänge aus. Er bringt ganz Alltägliches auf die Bühne und eröffnet so neue Sichtweisen auf die Dinge.

Mit „3 BY EKMAN“ widmet das Aalto Ballett Essen ab 4. März 2017, 19:00 Uhr im Essener Aalto-Theater dem Shootingstar aus Schweden – erstmals weltweit – einen kompletten mehrteiligen Abend und präsentiert drei seiner Kreationen: Bei „Tuplet“ (2012) steht die Macht des Rhythmus im Zentrum; durch Stimmen aus dem Off, Atemgeräusche beim Tanzen, Beat Boxing und Body Percussion, Minimal Music und Jazz wird eine Kernfrage choreografisch von verschiedenen Seiten gestellt: die nach dem Rhythmus des Lebens, und was das Leben ohne seinen Rhythmus wäre. In „Flockwork“ (2006), seinem ersten größeren Stück, hinterfragt Ekman die Kunst, als Mensch in Gesellschaften zu funktionieren und erforscht tänzerisch menschliche Beziehungen – positive wie negative. „Tyll“ (2012) schließlich lässt klassischen Spitzentanz auf modernen Witz treffen. Hier werden die Liebe und der Glaube an das Ballett körperlich wie sprachlich thematisiert und auch ironisiert. „3 BY EKMAN“ verspricht einen faszinierend-packenden Abend, der ganz sinnlich die unterschiedlichsten Formen von Klang und Bewegung auslotet.

 

Für die Premiere am 4. März, 19:00 Uhr gibt es noch Karten!

Weitere Vorstellungen am 9., 11., 15., 19. März; 2., 6., 8., 21., 27. April; 1., 5. Juli 2017

 

Karten und Informationen im TicketCenter unter Tel. 02 01.81 22-200 oder

E-Mail tickets@theater-essen.de oder im Internet unter www.aalto-ballett-theater.de


Harte und weiche Farben

ERNEUT 17., 25. UND 31.MÄRZ JEWEILS 19:30 UHR

Mit dem dreisilbigen Abend "Kontraste" setzt das Dortmunder Ballett auf bewährte Choreographen: Richard Siegal, Johan Inger und Edward Clug. Die Kompanie sieht gut dabei aus.


Kurze Nachtkritik von Melanie Suchy



Durch das Programm geistert eine heimliche Leerstelle. Am Ende kommt sie zu Wort: Dann sind es nach vorn gestreckte Arme mit gespreizten Händen, die greifen wollen, etwas wollen, irgendwo da vorn, da draußen, dort drüben. So rennen in Edward Clugs „Hora“ die Tänzer manchmal durch die Gegend. Oder als hätte sie jemand mit einem Schlüssel im Rücken aufgezogen, und jetzt rattert das Verlangen. Haben! Fassen! Bloß nicht allein sein. Da spielt von Band das Balanescu Ensemble Melancholisches, balkanisch Angehauchtes, und Bühnenbildner Marko Japelj setzt eine sanfte Welle in den ansonsten kahlen Raum, ein liegendes S aus schmalem Holz. Ein Ende ragt in die Höhe, das andere Ende berührt den Boden. Frage, Antwort, Berg und Tal, vielleicht als Erinnerung an eine Landschaft. Die Tänzer finden und verlieren sich. Zu Beginn sind sie nicht einmal sie selber. Diese einzige Uraufführung des Dreierabends klemmt sie in in eine bleiche Menge zusammen, aus der das Bewegen erst noch geboren werden muss: mit dem Vereinzeln. Als tropfe oder schieße eine Zelle aus einem amöbischen Klump. Diesen wunderbaren Anfang entwickelt Edward Clug allmählich hin zu tanzenden Paaren, erst steif wie Plastikfigürchen, dann verbundener, in großen, ausgreifenden gemeinsamen Bögen. Verglichen mit den ersten beiden Stücken des Abends, "Unitxt" von Richard Siegal und "Johan Inger's Rain Dogs" von Johan Inger, ist es am wenigsten spektakulär, aber hat am meisten zu sagen. Und endet ohne Ende, in der Luft....

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Kollektive Ekstase, individuelle Trauer

TANZTHEATER WUPPERTAL PINA BAUSCH

Café Müller  | Frühlingsopfer



Von Nicole Strecker


Es wird immer das Stück bleiben, in dem sie am meisten fehlt und zugleich: am stärksten spürbar ist. Das 1978 entstandene „Café Müller“, in dem Pina Bausch noch im Jahr vor ihrem Tod selbst mittanzte.


Seit jeher wird es im „Doppelpack“ mit ihrem drei Jahre früher uraufgeführten „Frühlingsopfer“ gezeigt. Intim-individuelles Tanztheater und kollektiv-ekstatischer Ritualtanz. Bei der aktuellen Wiederaufnahme schien sich im „Café Müller“ ein weichzeichnender Schleier über die Trauernden und Liebenden gelegt zu haben. Schön – und entrückt.


Das archaische Ensemblestück hingegen hat nichts von seiner brutalen Kraft verloren. So gab es – wie immer -  standing ovations in der – wie immer - ausverkauften Oper. ...


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Folgetermine am 24., 25., 26. Februar 2017 im Opernhaus Wuppertal

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ESSEN

WUPPERTAL

DORTMUND

Schrit_tmacher-Festival:

„Ce Que Le Jour Doit à la Nuit“

der französisch-algerischen Kompanie Hervé Koubi

in der Aachener Fabrik Stahlbau Strang


DIE SANFTE GEWALT DES STREETDANCE

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Nachtkritik von Nicole Strecker



So schwer sie auch aussehen, so sanft sind sie doch: 16 Tänzer, alles Männer hat der französische Choreograf Hervé Koubi für sein 2010 entstandenes Stück „Ce Que Le Jour Doit à la Nuit“ in der Streetdance-Szene in vor allem Algerien und Marokko gecastet. Sie beweisen seitdem auf weltweiten Tourneen, wie betörend behutsam man die riskanten Stunts und kraftzehrenden Moves tanzen kann – allerdings auch, dass Körperbeherrschung nicht immer mit Körperausdruck einhergeht. Gelegentlich verrutscht der Ernst also zwar ins Pathos – aber aufregend virtuos ist diese „Streetdance-Meditation“ allemal...

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GEFEIERT! ...und doch...   HIER GEHT ES ZU DEN VIDEO IMPRESSIONEN

Ballet National de Marseille (F)

„Le Corps du Ballet National de Marseille”


Nachtkritik von Klaus Dilger


Erneut Standing Ovations in Heerlen, mit denen das Publikum des schrit_tmacher Festivals die Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer feiern will und auch die der Choreographen, Lichtgestalter, Kostümdesigner und Komponisten, all derjenigen, die zwar an diesem Bühnenwerk beteiligt waren, die aber nicht ihren Körper, seine Fähigkeiten und Schwächen, auf der Bühne präsentieren dürfen oder auch müssen.


Der Körper als Instrument der Kunst, aber eben auch als klare Abgrenzung des Individuums in seiner Einmaligkeit und Identität gegenüber jedem Anderen und damit auch in seiner ganz direkten und persönlichen Verwundbarkeit und Verletzlichkeit.


„Le Corps (der Körper) de Ballet“ meint aber genau das Gegenteil dieser individuellen Einmaligkeit, er ist die Masse der (Tänzer)Körper, die Gruppe, deren Aufgabe im Klassischen Ballett lange darin bestand, eben keine Individualität zu zeigen, sondern sich synchron auf die Musik zu bewegen und den Solistinnen und Solisten in allen Graden das Feld zu bereiten, auf dem sie solistisch glänzen können.... und „Le corps de Ballet“ bezeichnet auch den Rang, den ein Tänzer innerhalb eines Ensembles innehat (nämlich zumeist die unterste Stufe nach der Ausbildung -  in ganz wenigen Compagnien kennt man dann noch Einstufungen wie „Sujet“, also „Gegenstand“). Schon der Beginn einer solchen Aufzählung lässt hüsteln, ob der zu erwartenden Staubverwirbelungen, entspricht sie doch so wenig unserer gefühlten Lebenswirklichkeit, - oder?


©TANZwebAachenHeerlen.eu_Klaus Dilger


Pieter Scholten und Emio Greco führten 2015 die Tänzer des eben übernommenen „Ballet National de Marseille“ in den tänzerischen Klassenkampf und stellen die Frage: „Wie kann das klassische Ballett in einen Spielplatz, oder besser noch, in ein Schlachtfeld verwandelt werden, wo das Individuum auf die Gruppe trifft?“


Ob sie hierauf mit dem soeben zu Ende gegangenen Stück Antworten gefunden haben und ob solche Fragen heutig sind? Für Emio Greco, der selbst als klassischer Tänzer ausgebildet wurde, scheint dieser Konflikt oder auch das damit verbundene, mutmaßliche persönliche Leid der Tänzer noch immer aktuell zu sein. In nicht wenigen Passagen lässt sich auf humorvolle Weise ein Alter-Ego des Choreographen erkennen, der als kleinwüchsiger und nicht eben geschmeidiger Tänzer im klassischen Ballett, durch den Konflikt von Körper und klassischem Ideal, sich stets an der Erfüllung im Tanzen gehindert gefühlt haben mag, ehe er seinen eigenen Weg entdeckt hat.


Auch wenn das Motiv, der Impuls zur Arbeit, sehr persönlich sein mag: Scholten und Greco stellen mit dem „Corps“, dem „Körper“ das Recht eines jeden Einzelnen auf Würde, Respekt, persönliche Freiheit und körperliche und geistige Unversehrtheit, also unser aller grundsätzlichen Menschenrechte in den Mittelpunkt ihrer Bühnenarbeit. Neben dieser politischen Aussage muss „Le Corps du Ballet National de Marseille“ auch unter der besonderen Situation betrachtet werden, dass Scholten und Greco hiermit ein Stück weit ein Statement abgeben wollten, wie sie gedenken, die neu übernommene Verantwortung für das „Ballet National de Marseille“ künstlerisch und personalpolitisch zu gestalten. ...WEITERLESEN

 

Schlechter Lebenslauf

So kann's gehen oder auch nicht: Neco Çelik inszeniert "RAPsody - Urbane Odyssee" für die Renegade Company, eine Koproduktion mit dem Schauspielhaus Bochum


Nachtkritik von Melanie Suchy

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Dieser Odysseus krepiert schon im Rohr. Er ist ein Schwadroneur vor dem Herrn, pardon, vor den Göttern, nein, Göttinnen sind es hier. Zwei. In Pink. Die bewegen sich. Er nicht.


Diese Ladies in samtenen Schlabberanzügen, mit steinernen Minen, die man unter den Schirmen ohne Mütze jedoch kaum sieht, treten vom Zuschauerraum aus auf, trommeln gegen die Holzverkleidung, verschaffen sich Gehör, schieben sich an der Bühnekante entlang, entern die Bühne kriechend, nachdem sie ihre Samtrosahintern gezeigt haben, und geistern hinfort, von den anderen Darstellern nie bemerkt, durchs Geschehen, indem sie Breakdance sprechen: Oberkörper, Schultern, Kopf verschieben, mit den Armen winkeln, die Unterarme rotieren, die Beine breit und gebeugt stellen und manchmal Machoposen zu imitieren scheinen. Oder sie stampfen. Marylin Ogboko und Rubicon Kyei heißt dieser zwillingshafte Farbtupfer. Dass sie für Amateurinnen gut sind, aber offensichtlich keine Profis, macht bei dieser Inszenierung nichts. Auch andere künstlerische Mittel in "RAPsody" sind zu limitiert für das, was das Stück wohl eigentlich will. ... WEITERLESEN

Heimat Frau

 

Die neuseeländische Okareka Dance Company präsentierte bei ihrem Schrittmacher-Gastspiel im Theater Heerlen "Mana Wahine" mit großem inszenatorischen Aufwand und fünf Tänzerinnen

 

Nachtkritik von Melanie Suchy



Am Ende kämpfen sie. Die fünf landen vorn an der Bühnenkante und rütteln sich und ihre Glieder, als könnten sie alles, was ihnen entgegenkommt, verhauen oder zerreißen. Weniger als Angriff, mehr als Verteidigung und gleichzeitig öffnen sie damit ihr Revier hin zu den Zuschauern, einen kurzen Moment lang, ein Ausfransen. Eine von ihnen ist den Weg vorgegangen, wie auf einem Pfad, den sie bahnt, vorwärts, rückwärts, die Fersen ein wenig angehoben, die Knie gebeugt, mit raschen, leichten, leisen pfotenhaften Schritten, in der rechten, warnenden Hand hält und wendet sie einem flachen Schlegel, den Kopf richtet sie unerschrocken Richtung Feind. Eine andere Waffe kam auch noch vor: eine Kugel, die sie an einem Seil über den Köpfen kreisen lassen, wobei sie den Drall für die Unterarme aus der Körpermitte holen. Mit diesen Frauen ist nicht zu spaßen, sagt das. Aber ja, mit ihnen ist doch auch zu spaßen, sagt das Tanzstück an anderen Stellen: "Mana Wahine". Und alles dazwischen.

Denn die Choreographie, die teilweise mit erstaunlichen Videoprojektionen verschmilzt und von fast zu wuchtigen musikalischen Strömen umflossen und durchpulst wird, breitet Szenen weiblichen Lebens aus. Das basiert explizit auf Traditionen, Legenden, Glaubensinhalten der Maori-Kultur, doch mischen sich in die Szenenfolge auch Spritzer anderer, sogenannter westlicher Erfahrungen. Insgesamt baut "Mana Wahine" so keinen Gegensatz von Lebenswelten auf, sondern ein Miteinander, ein Sowohl-als-Auch. Das scheint die Botschaft zu sein, die durchaus auch spirituell verstanden werden kann. Beginnt und endet das Stück doch mit Gebeten, gesungen (allerdings nicht live) von Tūi Matira Ranapiri-Ransfield. Es ist auch ihr Gesicht, das als riesige Projektion auf einem dünnen Vorhang das Publikum beim Hereinkommen begrüßte. Mit hauchzarten Anflügen von Lächeln auf den dunklen Lippen und einer immensen Kraft, die selbst diese unkörperliche Art der Präsenz erahnen lässt.

 

An diesen hohen Anspruch reicht vieles von "Mana Wahine" heran, aber nicht alles.

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